
Das Thema „Kunstrasenplatz“ beschäftigt Sportvereine, Planer und Politik in der Gemeinde Biebertal schon viele Jahre. Bereits vor sieben Jahren hatte sich die Fußballspielgemeinschaft für den Standort Fellingshausen entschieden und eine »Kunstrasenplatz-GbR« gegründet, mit der sie rechtssicher handeln kann – aber eben auch für die finanziellen Folgen des Projektes formal haftbar ist.
Am 8. Oktober 2025 nun überreichte Prof. Dr. Roman Poseck, Hessischer Minister des Inneren, für Sicherheit und Heimatschutz, einen Förderbescheid des Landes Hessen für den Kunstrasenplatz in Fellingshausen in Höhe von 158.800 Euro auf dem Sportplatz Fellingshausen.

In der Fußballspielegemeinschaft Biebertal spielen rund 80 Senioren und vor allem rund 120 Jugendliche von den Bambinis bis zur B-Jugend Fußball.
Thomas Weber, Vorsitzender des TSV Fellingshausen, begrüßte die, trotz Nachmittagsstunde, zahlreich erschienenen Gäste und nahm die Urkunde stellvertretend für die Vereine der FSG Biebertal in Empfang.
Damit dürfte der Startschuss für die Bauarbeiten am bisherigen Ascheplatz gegeben sein – falls die Haushaltssperre in der Kommune Biebertal dem nicht noch einen Strich durch die Rechnung macht – aber davon gingen offensichtlich nur wenige der Anwesenden aus.

In der Gießener Allgemeinen war zu diesem Ereignis, neben vielfältiger Würdigung der ehrenamtlichen Jugendarbeit und der Arbeit der Vereine, viel von Begeisterung und Aufbruchstimmung sowie dann nur von Grußworten zu lesen.
In der Folge wurde ich in meiner Funktion als Ortsvorsteher gefragt, ob ich meine Meinung zum Projekt geändert hätte und ob es keine kritischen Stimmen bei der Veranstaltung gab. Daher am Ende des Artikels meine Wort an den Innenminister noch einmal zum Nachlesen.
Zunächst würdigte der Hessische Innenminister das Engagement aller Handelnden in der Sache, den großen persönlichen Einsatz, die Hingabe und Leidenschaft, gegen all die Widerstände auf einer langen Wegstrecke. In seinem Grußwort bezifferte Herr Dr. Poseck das bei den Planungen der GbR aufgerufene Investitionsvolumen für den Kunstrasenplatz mit 800 000 Euro (was nach der langen Wartezeit überholt sein könnte – Anm. d. Verf. –
Aber auch wegen der Folgekosten hatte der Heuchelheimer Bürgermeister Steinz von einem solchen Projekt abgeraten; oder, so sein Rat, die Vereine bilden jährlich 40.000 Euro Rücklagen, um dann später den neuen Belag finanzieren zu können.)
Im Haushalt der Gemeinde wurden für das Projekt vor Jahren ca. 600 000 Euro eingestellt – die vermutlich im Rahmen der Haushaltssperre neu genehmigt werden müssen. Gut angelegtes Geld, meinte der Minister dazu.
Bürgermeisterin Patricia Ortmann sprach vom »Biebertaler Sommermärchen«. Aus Ihrer Sicht sei ein Kunstrasenplatz heutzutage kein Luxus, sondern gehöre längst zur Standardausstattung im Sportstättenangebot einer Gemeinde.
Der Vorsitzende des Sportkreises Gießen, Dr. Heinz Zielinski, sprach von einem »gewaltigen Schub nach vorne« und auch der Kreisfußballwart Henry Mohr gehörte zu den Laudatoren.
Die Gedanken sind frei, so heißt es in einem Deutschen Volkslied, und unterschiedliche Perspektiven rücken notwendigerweise unterschiedliche Wahrnehmungen und Prioritäten in den Blick: z.B. Klimaentwicklungen, Umweltschutz, Wartungs-Folgekosten, Erneuerungskosten, Sondermüll nach 12-15 Jahren, Winterrasen als Alternative, kalkulatorisch Risiken bei der Erstellung und für die zahlende Bevölkerung oder Folgen der Einzäunung für die dort derzeit noch frei spielenden Kinder sowie Verkehrs- und Parkplatzprobleme.
Andererseits sind die Aspekt der Jugendarbeit, der gelebte Teamgeist, das ehrenamtliche Engagement und die echten Erfahrungsräume – im Gegensatz zu all den virtuellen Welten heutzutage – als „weiche Faktoren“ nicht kalkulierbar wertvoll für das Miteinander in der Gemeinde und durchaus hoch zu bewerten.
Meine, in der Zeitung lediglich als „Grußwort“ erwähnte Rede als Fellingshäuser Ortsvorsteher, ließ mich bei den Versammelten sicherlich nicht in der Beliebtheit steigen. Sie klang (vorbereitet) so:
„Lieber Roman,
als ehemaliger Parteikollege wähle ich die hier übliche Anrede, ohne damit despektierlich klingen zu wollen.
Denn trotz meiner Ambivalenz zum Projekt, sage ich als Ortsvorsteher von Fellingshausen Danke für die Fördergelder vom Land Hessen.
Ich will auch heute wieder betonen, wie wichtig Jugendförderung ist,
gerade da sich der Bewegungsradius von Kindern in den letzten 30 Jahren um erschreckende 90 % reduziert hat.
Ebenso wesentlich für den Zusammenhalt im Dorf und auch zwischen den Dörfern ist die Arbeit unserer Vereine. Ihnen gebührt für ihr ehrenamtliches Engagement unser gesellschaftlicher Dank!
Nun wird mit diesem Förderbescheid wohlmöglich der Anstoß zu einem teuren Projekt angepfiffen, das bei Vereinen, den 200 Spielerinnen und Spielern sowie deren Entourage große Freude auslöst – wenn es denn so sein wird, wie sie es sich wünschen.
Denn auch wenn die Finanzierung des Kunstrasenplatzes der Fußballvereine als privates Bauprojekt deklariert wird, werden die Gelder dafür weitestgehend aus der öffentlichen Hand bestritten werden müssen.
Das bedeutet in der Konsequenz für die Bürgerinnen und Bürger von Biebertal, dass sie den Kunstrasenplatz voraussichtlich wieder einmal mit einer Grundsteuererhöhung zu finanzieren haben, um den Haushalt auszugleichen.
Da die hessischen Gemeinden chronisch unterfinanziert sind und Biebertal sich bereits in einer Haushaltssperre befindet, hoffe ich, Dich bald in unserem schönen Biebertal wiederzusehen, wenn Du auch Gelder für unser Hallenbad und für die Kitas mitbringst – oder zumindest berichten kannst, dass im Kabinett Rhein in Wiesbaden eine bessere Grundausstattung von Kommunen beschlossen wurde, damit hier vor Ort die Aufgaben erledigt werden können, die Ihr ihnen aufgebürdet habt.
Vielen Dank
Bilder: C. Haus, V. Mattern
Auch die Rede von Thomas Weber, TSV Vorsitzender, zu Beginn möchte ich Ihnen mit seinen Würdigungen nicht vorenthalten:
Stellvertretend für die Förderfreunde Fußball, Spielvereinigung Frankenbach, SKG Rodheim Bieber und TSV Fellingshausen sage ich allen Anwesenden
ein herzliches Willkommen
Mein Name ist Thomas Weber, ich habe den Vorsitz des TSV Fellingshausen.
An dieser Stelle begrüße ich, den Hessischen Minister für Inneres, Sicherheit und Heimatschutz Herrn Prof. Dr. Poseck, unsere Bürgermeisterin Patricia Ortmann, unseren Ortsvorsteher Dr. Alfons Lindemann, unsere Politiker und Vertreter der Gemeinde, den Ortsbeirat von Fellingshausen, die Vertreter des Sportkreises, die Vertreter der Presse und alle die hier anwesenden Sportfreunde.
Herzlichen Dank für Ihr Kommen zu diesem für uns so wichtigen Tag.
Vor etwa 7 Jahren haben sich bereits die Vereine der Spielgemeinschaft Biebertal zusammengetan und nach einem Standort für einen Kunstrasenplatz gesucht. Die Wahl fiel auf den Standort Fellingshausen. Der weitere Grundstein für den Kunstrasenplatz war die Gründung der >Kunstrasenplatz GbR< der vier Vereine. Ab dann wurde geplant, getagt, beantragt und unglaublich viele Stunden in dieses Projekt gesteckt.
Jetzt, sehr geehrter Herr Minister, mit diesem Förderbescheid und der zugesagten Unterstützung der Gemeinde Biebertal … jetzt wird es wahr …
der Kunstrasenplatz steht vor seinem ersten Spatenstich.
Es ist so wichtig mit diesem Kunstrasenplatz geben wir unserer Jugend ein Stück Zukunft für ihren Sport und runden somit das Sportangebot in Biebertal bestens ab.
Ich möchte an dieser Stelle noch drei Menschen hervorheben, die dieses Projekt, sagen wir als Projektleiter überhaupt federführend bis hierher geleitet haben. Das ist Herr Gerhard Schulze, Vorsitzender der SKG Rodheim Bieber, für den kaufmännischen Teil, Herr Burkhardt Mandler, seinerzeit Spartenleiter Fußball, für den sportlichen Teil und Herr Volker Reeh, seinerzeit Vorsitzender des TSV Fellingshausen, für die Planung.
Euch dreien vielen vielen Dank für das bisher geleistete.
Jetzt darf Applaudiert werden.
Sehr geehrter Herr Minister Prof. Dr. Poseck, ich möchte Ihnen jetzt gerne das Wort übergeben
